
Manchmal beginnt eine Geschichte schon drei Jahre vorher.
Im Jahr 2023 habe ich den Tanz der Marktweiber auf dem Viktualienmarkt zum ersten Mal live erlebt – damals noch mitten in der Menschenmenge, beeindruckend und bunt. Und irgendwie hatte ich damals schon den Wunsch: Das möchte ich noch einmal erleben. Im Naturhotel Rebling kam dann eine ganz besondere Überraschung.
Katharina Schwingshackl (Foto rechts), die das Urgestein der „Marktweiber“ Christl Lang (Foto links) persönlich kennt, hatte mir eine Einladung überreicht – als Geschenk für mich als Faschingsfan und Fotografin. Dieses Jahr durfte ich den Tanz deshalb mit Begleitung aus der ersten Reihe erleben.



Und so sind Manuela und ich – passend zum Anlass – als Waldhexen des Bayerischen Waldes nach München gefahren.

Fasching, Musik und ganz viel Münchner Gefühl
Wer den Tanz der Marktweiber einmal erlebt hat, weiß: Das ist mehr als ein Programmpunkt im Faschingskalender. Es ist gelebtes Brauchtum.
Christl Lang erzählt: „Der Ursprung reicht zurück bis ins 19. Jahrhundert. Damals galten die Marktfrauen eher „grantig“. Also begannen sie zur Faschingszeit zwischen den Ständen zu tanzen – mit Musik, Humor und guter Laune.“ Und daraus entstand im Laufe der Jahrzehnte eine Tradition, die heute weit über München hinaus bekannt ist. Besonders schön ist jedes Jahr der Auftakt mit „Ein Wagen von der Linie 8“ dem legendären Lied von Weiß Ferdl. Seine Statue steht ja direkt am Viktualienmarkt – und wenn die Marktweiber das Lied inszenieren, mit prominenten „Mitfahrern“ wie OB Dieter Reiter, merkt man, wie viel Geschichte hier mitschwingt. Danach folgten viele Tänze – vom Walzer bis zum Squaredance, schwungvolle Evergreens, Polka und natürlich „Das Leben tanzt Sirtaki“. Und rund um die Bühne herrschte eine besondere Faschingsstimmung.



Ein besonderer Faschingsdienstag
Heuer war der Tag aber noch aus einem anderen Grund besonders. Es war der letzte Auftritt von fünf langjährigen Marktweibern:
- Christl Lang – 38 Jahre dabei
- Erika Schuster-Dik – 40 Jahre
- Hella Friedl – 33 Jahre
- Annemarie Doll – 18 Jahre
- Monika Schneider – 15 Jahre
Und auch Tanzlehrer Christian Langer, der die Gruppe 22 Jahre lang begleitet, choreografiert und geprägt hat, verabschiedete sich unter emotionalen Tränen.

Als Oberbürgermeister Dieter Reiter die Bühne betrat, führte er Christl Lang persönlich nach vorne, tanzte mit ihr einen Wiener Walzer und überreichte ihr eine Urkunde und Blumen. Ein sehr wertschätzender Moment – für eine Frau, die diese Tradition über Jahrzehnte mitgetragen hat.

Rund um die Bühne waren viele bekannte Gesichter aus Stadt, Politik und Fasching dabei – unter anderem Vertreter der Narrhalla München sowie Gäste aus dem Münchner Stadtleben, darunter auch Uschi Dämmrich von Luttitz. Und trotzdem wirkte alles sehr nahbar. Genau das macht diese Veranstaltung so besonders.



Warum dieser Tag so gut zu WanderKultur passt
Für mich war dieser Tag auf zwei Ebenen einfach schön. Zum einen: Fasching.
Ich tanze gerne, ich mag diese Lieder, die sofort gute Laune machen, und ich liebe diese besondere Stimmung, wenn Menschen zusammenkommen und einfach feiern.
Zum anderen: Brauchtum.
Genau solche Traditionen zeigen, wie lebendig Kultur sein kann – wenn Menschen sie über Jahrzehnte weitertragen.
Und genau deshalb passt dieser Moment auch so gut zu WanderKultur, zu uns zwei Waldhexen: Manuela und mir.
Wir erzählen nicht nur von Landschaften und Wegen. Sondern auch von regionaler Kultur, Begegnungen und Geschichten, die man unterwegs erlebt.
Zwischen Bühne, Maibaum und tausenden Besucherinnen und Besuchern standen wir also – zwei Waldhexen mitten im Münchner Fasching.Wir haben geschaut, fotografiert, gelacht und einfach diesen Moment genossen.
Und ich bin sehr dankbar für diese Einladung und diesen besonderen Tag.
Gerade, weil es der letzte Auftritt von Christl und einigen ihrer Kolleginnen sowie von Tanzlehrer Christian war, bleibt dieser Faschingsdienstag für mich sicher lange in Erinnerung.
Manchmal entstehen genau aus solchen Begegnungen auch neue Verbindungen.
Und wer weiß – vielleicht sieht man sich ja im nächsten Fasching wieder.
(Fotos: Alexandra Linzmeier)




















