Seit 1970 zeichnet der Bayerische Wald-Verein mit seinem Kulturpreis Menschen aus, die sich um die Kultur des Bayerischen Waldes besonders verdient gemacht haben. In diesem Jahr wurde der Preis im Rahmen des Bayerwald-Tages, der am Aussichtsturm auf dem Ebersberg (Gemeinde Windorf) stattfand, an Dr. Richard Loibl überreicht. Laudator Roland Pongratz hob die Verdienste des gebürtigen Hengersbergers hervor, der wegen der aktiven Pflege des bayerischen Dialektes bereits Träger der „Baierischen Sprachwurzel“ ist.
Als Sohn des Deggendorfer Kreisheimatpflegers Georg Loibl (der ebenso 1983 diesen Preis erhalten hatte) wurde ihm das Interesse für Geschichte in die Wiege gelegt, so Laudator Roland Pongratz, der die Stationen von Richard Loibl aufzählte. 1996 wurde er zum Leiter des Oberhausmuseums in Passau, von 2001 bis 2010 leitete er den Aufbau des staatlichen Textilmuseums in Augsburg und wurde 2007 zum Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte mit Sitz in Augsburg. Ab 2011 wurde unter seiner Projektleitung das Museumskonzept für das „Haus der Bayerischen Geschichte“ in Regensburg erarbeitet, das nach umfangreichen Baumaßnahmen schließlich 2019 eröffnet wurde. Das Niederbayern-Forum e. V. ernannte Richard Loibl schließlich 2020 zum Niederbayern-Botschafter.
„Er reißt seine Leser und Zuhörer mit, mit mit seinen Gedanken, mit seinen Zeitreisen. Das klingt nie schulmeisterlich, sondern eher freundschaftlich“, so Pongratz. Neben Ausstellungen, die den Bayerischen Wald thematisieren, trage vor allem sein neues Buch „Grüße aus dem wilden Osten“ dazu bei, dass die Geschichte des Bayerischen Waldes die Menschen begeistert – was die aktuelle Lesereise in der Region belege. „Die Wertschätzung des Autors für den Bayerischen Wald ist kein effekthascherisch zur Schau getragener Provinzialismus, sondern ein klares Bekenntnis zur Bedeutung regionaler Identitäten für das kollektive Gedächtnis unserer Heimat. Durch das tiefe Verständnis für den Woid und die Waidler bringt Richard Loibl den Lesern die Komplexität und Schönheit unseres regionalen Erbes nahe.“
Besonders aber zeichne den Preisträger aus, so der Laudator, dass er sein Wissen stets mit anderen teilen wolle. „Richard Loibl ist ein redegewandter Gelehrter mit eigener Handschrift, Historiker, Museumsfachmann, Geschichte-Erzähler: Ein Botschafter für Niederbayern im besten Sinne.“
Richard Loibl freute sich über die renommierte Auszeichnung des Traditionsvereins, der seit 1883 zum Aufbau des Fremdenverkehrs, zur Erschließung des Bayerischen Waldes mit Wanderwegen und Aussichtstürmen sowie zum Erhalt von Brauchtum und Kultur beigetragen hat. Als Kulturpreisträger steht er nun in einer Reihe verdienter Persönlichkeiten wie etwa dem Volkskundler Paul Friedl sowie zahlreicher weiterer Wissenschaftler und Künstler. Loibl selbst berichtete in seiner Dankesrede, dass er seine Karriere vor allem der Oma zu verdanken habe, die der Familie empfahl, den Buben studieren zu lassen. „Weil man mich zur Arbeit daheim nicht recht brauchen konnte“, so Loibl in seiner gewohnt humorigen Art. Doch war es ihm immer wichtig, seine Herkunft aus einer bodenständigen Metzgerfamilie in Hengersberg, zu bewahren.
Zu den Gratulanten gehörten neben Präsident Sebastian Gruber zahlreiche weitere Vertreter des Bayerischen Wald-Vereins, der mit 57 Sektionen und rund 17.500 Mitgliedern in Niederbayern und der Oberpfalz aktiv ist.
Das Bild zeigt den Kulturpreisträger Dr. Richard Loibl mit den Gratulanten des Bayerischen Wald-Vereins (v.l.) Ehrenvorsitzender Georg Pletl, Präsident Sebastian Gruber, geschäftsführender Vorsitzender, Laudator Roland Pongratz und 3. Vorsitzender Heiner Kilger.


